Debattieren in OsnabrückDebattierclubs haben an Universitäten in England und den USA eine lange Tradition. Seit etwa zehn Jahren hat sich das Debattieren auch an deutschsprachigen Hochschulen etabliert. Mittlerweile gibt es fast in jeder deutschen Universitätsstadt einen Debattierclub. Die Clubs sind im Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) organisiert. Schirmherr des Verbandes ist Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Der Verband organisiert die ZEIT-Debatten, eine Serie von Debattierturnieren, bei der Studenten unterschiedlicher Debattierclubs im sportlichen Wettkampf gegeneinander antreten. Höhepunkt der Turnierserie ist die jährlich stattfindende Deutsche Debattiermeisterschaft, die 2011 in Heidelberg stattfinden wird. In Osnabrück treffen wir uns jeden Dienstagabend zu einer Debatte. Wir, das sind Studenten aller Fachrichtungen – von der chinesischen Germanistikstudentin bis zum Maschinenbauer sind bei uns alle vertreten. Wenn wir uns treffen, geht es zunächst darum, ein Thema für die Debatte zu finden. Meist sind es Themen, die einen aktuellen Bezug aufweisen wie z.B. „Brauchen wir einen islamischen Feiertag?“ oder „Zukünftige Manager in die Suppenküche - Sollte man ein verpflichtendes Sozialpraktikum an der Hochschule einführen?“ Manchmal geht es aber auch um weniger ernste Themen, z.B. „Soll Osnabrück Landeshauptstadt von Niedersachsen werden?“ Wenn wir uns dann per Abstimmung auf ein Thema geeinigt haben, werden die Redner per Los der Pro- oder Contra-Fraktion zugeteilt. Die Teams haben 15 Minuten Zeit, sich auf eine Strategie zu einigen und ihre siebenminütigen Reden vorzubereiten. Nach der Debatte entscheidet eine Jury, welches Team am besten überzeugen konnte. Die einzelnen Redner erhalten dabei ein konstruktives Feedback. Das regelmäßige Training im Debattierclub bietet eine sehr gute Vorbereitung auf rhetorische Herausforderungen in Studium und Beruf: Referat, mündliche Prüfung oder Vorstellungsgespräch.
Die unterschiedlichen DebattierformateBeim Debattieren gibt es verschiedene Formate, die bestimmen, wie die Debatte stattfindet, wieviele Teilnehmer an der Debatte teilnehmen und nach welchen Wertungskriterien die Gewinner der jeweilgen Debatte bestimmt werden. Im deutschen Raum haben sich dabei vor allem das British Parliamentary Style (BPS) und die Offene Parlamentsdebatte (OPD), die in Tübingen entwickelt wurde. Außerdem gibt es das Wartburg-Format, welches 2011 zum ersten Mal auch in die ZEIT-Debattenturniere aufgenommen wurde.
British Parliamentary Style (BPS)Das British Parliamentary Style ist, wie der Name schon vermuten lässt, an die Debattenführung im britischen Parlament angelehnt. Es ist das international bekannteste und Format für die Welt- und Europameisterschaften. Es treten in der Debatte vier Teams gegeneinander an, die sich in zwei Regierungsfraktionen, eröffnende und schließende Regierung, und zwei Oppositionsfraktionen, eröffnende und schließende Opposition, aufteilen. Nach 15 Minuten Vorbereitungszeit hat danach jeder Redner 7 Minuten Redezeit, zwischen der 2. Minute und der 6. Minute dürfen dabei von den gegnerischen Fraktionen Zwischenfragen gestellt werden, Zwischenrufe sind eher unerwünscht. Ablauf einer DebatteNach der Themenbekanntgabe haben die vier Teams 15 Minuten Zeit zur Vorbereitung ehe die Debatte startet. Die Vorbereitung finden auch zwischen den beiden gleichgesinnten Teams statt. Welche Position jedes Team einnimmt wird vorher bei der Auslosung bestimmt. Die Debatte beginnt der erste Redner der eröffnenden Regierung (Premieminister). Er führt zunächst in die Problematik des Themas ein und stellt dann den Antrag der Regierung vor, über den es dann in der gesamten Debatte zu debattieren gilt. Außerdem muss der erste Redner Argumente für den Antrag liefern. Nach dem Premieminister kommt der erste Redner der eröffnenden Opposition (Oppositionsführer) zu Wort. Er soll den Antrag der Regierung kritisieren, wobei er nicht unbedingt das Problem an sich, sondern auch nur die Problemlösung kritisieren kann. Zudem muss er eigene Argumente liefern, warum gerade gegen den Antrag der Regierung zu stimmen ist. Danach sollen die zweiten Redner der jeweil eröffnenden Partei (Stellvertreter) den jeweiligen Standpunkt mit weiteren Argumenten untermauern und Gegenargumente gegen die andere Partei darstellen. Jetzt erst kommen die schließenden Teams zum Zug. Der jeweils erste Redner muss dabei eine sogenannte Extention finden, ein Argument, welches in der Debatte bisher noch nicht vorgekommen ist und die Debatte inhaltlich weiterbringt. Gleichzeitig darf er sich dabei nicht gegen die Position der jeweilg eröffnenden Partei stellen, sondern muss deren Antrag oder Gegenargumente akzeptieren. Gleichzeitig sollen die Redner auch wieder Gegenargumente gegen die andere Partei finden, die jetzt erst aufgetreten sind. Die Abschlussredner der Debatte hingegen sollen keine neuen Argumente mehr finden. Vielmehr sollen sie die Debatte aus Sicht ihrer Partei zusammenfassen und dabei den Clash herausfiltern. Sie stellen dabei noch einmal die Kernthese der Debatte da und festigen diese mit den stärksten Argumenten, die in der Debatte gefallen sind. Nach dem Ende der Debatte entscheidet dann die Jury durch Vergleich der verschiedenen Parteien die Rangfolge der Teams fest und vergeben auch die jeweiligen Punkte für die Redner. Eine durchschnittliche Rede liegt dabei, je nach Juror, bei etwa 70-75 Punkten; die Skala geht von 50 - 100 Punkten. Kriterien bei der Bewertung sind die Rednerstärke, aber auch die Strategie des jeweiligen Teams und die Rollenerfüllung der einzelnen Redner. Zum Abschluss wird dann das Ergebnis den Redner verkündet und begründet.
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Das Debattieren